Montag, Oktober 12
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Es gehört zu den feineren Ironien der Architekturgeschichte, dass ausgerechnet ein Haus an der istrischen Küste die Idee einer europäischen Riviera bis heute verkörpert. Im historischen Kern von Poreč, in erster Meereslage, steht das BO Hotel Palazzo – das älteste Hotel der Stadt und ein Dokument jener Zeit, als man die Adria zur mondänen Promenade Mitteleuropas erklären wollte.

Die im italienischen Renaissance-Stil gehaltene Fassade des BO Hotel Palazzo in der Abenddämmerung.
Die im italienischen Renaissance-Stil gehaltene Fassade des BO Hotel Palazzo in der Abenddämmerung.

Die Erfindung einer Riviera

Der Ort trägt ein antikes Erbe: Poreč entstand aus Parenzo, das die Römer als Colonia gründeten und ihrem Reich einverleibten. In den Gassen überlagern sich römische, venezianische und habsburgische Schichten zu einem palimpsestartigen Stadtbild. 1910 eröffnete hier das «Hotel Riviera in Parenzo» und setzte den Anfangspunkt des Tourismus an dieser Küste. Dahinter stand die 1907 gegründete Österreichische Riviera-Aktiengesellschaft, die Fremdenverkehr, Verkehr und Industrie in Istrien und Dalmatien beflügeln sollte – ein ambitioniertes Programm, das die Adria dem Mittelmeer der Grandhotels gleichstellen wollte. Die Euphrasius-Basilika aus dem 6. Jahrhundert, UNESCO-Weltkulturerbe, erinnert zugleich an weit ältere kulturelle Ambitionen.

Restaurierte Innenräume: Wiener Handwerkskunst trifft auf zeitgenössisches Design.
Restaurierte Innenräume: Wiener Handwerkskunst trifft auf zeitgenössisches Design.

Renaissance als Haltung

Architektonisch bekennt sich das Haus zur italienischen Renaissance. Eine Sgraffito-Dekoration bekrönt den vorstehenden Dachfries, der Sockel ruht auf Haustein, Säulen und Pilaster sind aus Kunststein gearbeitet. Die Innenräume schufen die angesehensten Wiener Handwerksbetriebe ihrer Epoche – ein Zeugnis dafür, wie eng das kulturelle Netz Mitteleuropas einst gewebt war. Durch die Jahrzehnte wechselten die Herrschaften – Österreich-Ungarn, Italien, Jugoslawien, Kroatien –, und mit ihnen die Grenzen; die architektonische Identität des Baus überstand sie alle.

Wir haben das Palazzo nicht einfach übernommen – wir haben Verantwortung für seine Geschichte übernommen. Jedes Jahr, in dem wir es öffnen, schreiben wir sie ein Stück weiter.

Allegra Osmani, Inhaberin

Et nova et vetera

2002 bewahrten die heutigen Eigentümer das Haus vor dem Verfall und sanierten es mit Bedacht. Zwei Bauten ergänzten das Ensemble – einer mit Spa und weiteren Zimmern in erster Meerblick-Linie, der andere mit Konferenz- und Gastronomieflächen. Das lateinische Leitwort «et nova et vetera», das Neue und das Alte zugleich, beschreibt die Restaurierung treffend: modernste Klima- und Haustechnik, ohne dass die originale Substanz oder die Geschichte verloren gingen. Historische Fotografien des ursprünglichen Hotels hängen im Haus und in den Zimmern wie Fußnoten einer langen Erzählung. Als Familienbetrieb wird das Palazzo heute in zweiter Generation geführt.

Zimmer und Suiten mit historischem Charakter und Blick auf die Adria.
Zimmer und Suiten mit historischem Charakter und Blick auf die Adria.

Ein Panorama wie ein Gemälde

Inzwischen Teil der BO-Hotelgruppe, umfasst das Haus 83 Zimmer und Suiten, darunter die 70 Quadratmeter große Presidential Suite, in der historischer Charakter und zeitgenössisches Interieur einen stimmigen Dialog führen. Ganzjährig geöffnet, mit Spa, Pool und eigener Kulinarik. An klaren Tagen weitet sich der Blick über die Adria bis nach Venedig oder zu den Alpen – ein Panorama, das die kulturelle Geografie Europas in einem Augenblick zusammenfasst.

Sonnenterrasse direkt am Wasser im historischen Stadtkern von Poreč.
Sonnenterrasse direkt am Wasser im historischen Stadtkern von Poreč.

So ist das BO Hotel Palazzo in Poreč weit mehr als ein Hotel: Es ist eine fortgeschriebene Idee, ein kulturelles Vermächtnis am Wasser, dessen jede Saison ein weiteres Kapitel hinzufügt. Foto-/Quellenangabe: BO Hotel Palazzo, Poreč.

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